Atemschutz bei Bartträgern

Die Unfallverhütungsvorschrift des DGUV Regel 112-190 Benutzung von Atemschutzgeräten stellt in ihrem Abschnitt 3.1.5.3 „Ergonomie und individuelle Anpassung“ u.a. fest, dass für die Schutzwirkung des Atemschutzgerätes der Dichtsitz der Maske entscheidend ist. Die  Regel  112-190 legt deshalb mit Verbindlichkeit fest, dass „Personen mit Bärten oder Koteletten im Bereich der Dichtlinien von Voll- und Halbmasken und filtrierenden Atemanschlüssen für das Tragen dieser Atemanschlüsse ungeeignet sind. Dies trifft auch auf Personen zu, die z.B. aufgrund ihrer Kopfform oder tiefer Narben keinen ausreichenden Maskendichtsitz erreichen.“ 

Die Träger von Atemschutzgeräten und Atemschutzmasken dürfen also im Bereich der Dichtkonturen der Maske keine Haare besitzen, somit also keinen Vollbart, keinen 3-Tage-Bart oder  lange Koteletten tragen. Grund für diese restriktive Festlegung ist eine Untersuchung mit über 100 Probanden. Hier wurden bei Bartträgern folgende Probleme festgestellt:

  1. Bei Pressluftatmern mit Normaldruck wird Umgebungsluft mit eingeatmet, sobald während des Einatmens in der Vollmaske ein Unterdruck entsteht.
  2. Bei Pressluftatmern mit Überdruck strömt, oft deutlich hörbar, entlang der Dichtlippe Atemluft aus der Vollmaske aus.

Die in dieser Untersuchung mit Vollmasken erzielten Ergebnisse lassen sich auf das Tragen von partikelfiltrierenden Halbmasken übertragen. Bart- oder Kotelettenhaare führen auch hier  zu signifikanten Undichtigkeiten. Selbst der sogenannte 3-Tagebart bewirkt davon keine Ausnahme. Weil diese Barthaare steifer und ihr Durchmesser größer als bei einem  Vollbart sind, können unter Umständen noch größere Leckagen auftreten.

Bei der Anwendung von Atemschutzmasken ist auf einen möglichst dichten Abschluss zwischen Maske und Gesichtshaut zu achten. Behaarung im Bereich der Kontaktstellen zwischen Atemschutz und Haut ist möglichst zu vermeiden. Es ist empfehlenswert, verschiedene Modelle von Atemschutzmasken zu probieren, erfahrungsgemäß  lässt sich in den meisten Fällen ein Kompromiss zwischen Länge und Form des Bartes und Sicherheit am Arbeitsplatz finden.

Wichtig: Auch andere Arten von Gesichtsschmuck, wie z.B. Piercings, sollten aus Sicht des Atemschutzes kritisch betrachtet werden! 

Selbst wenn die Mengen an eingeatmeten Atemgiften gering sein kann, deren Wahnehmungsgrenzen beim betroffenen Atemschutzgeräteträger vielleicht noch nicht erreicht sind, sammeln sich viele gefährliche Atemgifte mit langjährigen Halbwertzeiten im Körper. Dazu zählen z. B. Benzole und andere Kohlenwasserstoffe. Sie sind wegen ihrer konstanten giftigen Wirkung besonders gefährlich.

 

Stand: Mai 2016

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